Accepted paper:

"Konungshöll", "koti" und "skemma": Zur topographischen und funktionalen Relevanz märchenhafter Wohnstätten in isländischen Zaubermärchen

Authors:

Romina Werth (University of Iceland)

Paper short abstract:

Dieser Beitrag untersucht die topographische und funktionale Bedeutung märchenhafter Wohnstätten in isländischen Zaubermärchen, als Ausdruck des sozialen und gesellschaftlichen Gefüges in Island sowie den Einfluss isländischer Mittelalterliteratur auf das Volksmärchen des 19. Jahrhunderts.

Paper long abstract:

Das Märchenschloss als Sinnbild für Reichtum, prunkvolles Interieur und als Ort rauschender Festivitäten, findet sich in isländischen Zaubermärchen nur selten. Bisweilen erinnern die Beschreibungen eher an die Erscheinung eines reichen Gutshauses. Bereits die deutsche Wissenschaftlerin, Adeline Rittershaus (1876-1924), bemerkt in ihrem Werk, Die neuisländischen Volksmärchen, von 1902, dass es in isländischen Märchen nur eine sehr schwache soziale Abgrenzung sowie räumliche Distanz zwischen dem Königsschloss (konungshöll) und der Hütte der Bauersleute (koti) gibt. Die Behausung der Bauern befindet sich oft unweit des Königsschlosses oder sogar in einer Ecke des königlichen Hofes, sodass Königs- und Bauernkinder zu täglichen Spielgefährten werden. Ebenso ist es in isländischen Märchen üblich, dass die Wohnstätte der Königskinder (skemma) separat von den königlichen Hallen angelegt ist, worin sich Parallelen zu Behausungen in der isländischen Mittelalterliteratur finden lassen. Dieser Beitrag untersucht die topographische und funktionale Bedeutung märchenhafter Wohnstätten in isländischen Zaubermärchen, als Ausdruck des sozialen und gesellschaftlichen Gefüges in Island sowie den Einfluss isländischer Mittelalterliteratur auf das Volksmärchen des 19. Jahrhunderts. Das Märchen ist hier jedoch kein Überbleibsel, welches mittelalterliche Gesellschaftsstrukturen oder literarische Gepflogenheiten widerspiegelt. Vielmehr ist es ein ästhetisches Produkt, entstanden durch den regen Austausch weiterentwickelter mittelalterlicher Texte und Erzählstoffe sowie mündlich tradierter Stoffe aus dem In- und Ausland, welche im Island des 19. Jahrhunderts koexistiert haben.

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Das Märchenschloss: Luxuriöse Behausung in märchenhaften Erzählungen