Accepted paper:

Die narrative Raumkonstruktion des Märchenschlosses

Authors:

Alfred Messerli (University of Zurich)

Paper short abstract:

Märchenschlösser müssen im Volksmärchen narrativ konstruiert werden. Drei Aspekte spielen dabei eine wichtige Rolle: die Ökonomie in der Raumorganisation, die diskontinuierliche Ordnung der Raumauffassung und die Bedeutung der Erzählperspektive.

Paper long abstract:

Im europäischen Volksmärchen werden die "märchenhaften Schlösser" und luxuriösen Behausungen nicht so sehr beschrieben als vielmehr im Fortschreiten der Handlung konstruiert. Dabei geht der Erzählerin bzw. die Erzählerin überaus ökonomisch vor. Nur was der Erzählung dient, findet Erwähnung. Und indem jeweils nur einzelne Raumelemente bzw. Requisiten gegeben werden (nach dem rhetorischen Prinzip des Pars pro toto), bleibt es den Zuhörenden oder Lesenden überlassen, diese zu einem vollständigen räumlichen Ensemble zu ergänzen. Der Märchenraum und damit auch das Märchenschloss als Raum sind diskontinuierlich; er ist ungleichmäßig, nicht homogen, und er ist kontraktiv und extensiv zugleich. Endlich hängt die Konstruktion des Märchenpalastes von der Erzählperspektive ab, aus der die Handlung erzählt wird. Der Wechsel von auktorialem zu personalem Erzählen variiert die Nähe zum Geschehen und damit die Raumorganisation und versucht damit, Einfluss auf Intensität und Emotionalität der Rezeption zu nehmen.

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Das Märchenschloss: Luxuriöse Behausung in märchenhaften Erzählungen